Centrality and Dispersion

JAHR
2023
STANDORT
Triesenberg
INSTITUTION
Verein ELF

Streuung ist eine Form von Ordnung, nicht ihre Abwesenheit.

workshop results

Atelier Gapont führt den Verein ELF als Labor für transformativen Urbanismus — Urbanismus verstanden als das Kultivieren öffentlicher Räume, in denen die Zukunft eines Ortes gemeinsam mit den Menschen vor Ort entworfen wird. Jedes Jahr widmet sich einer anderen Geografie und bildet eine Iteration des Experiments.

Triesenberg war die fünfte und die erste Berggemeinde des Projekts — eine Walsergemeinschaft, seit ihrer Besiedlung als Streusiedlung organisiert: eine Verteilung von Weilern statt eines dichten Kerns. Zur Gemeinde gehört auch Malbun, das einzige Skigebiet des Landes.

Der Jahresschwerpunkt Zentralität und Streuung eröffnete eine andere Frage als die Talgemeinden zuvor: nicht, wie ein Zentrum aussehen soll, sondern was einen Ort zusammenhält, der nie um eines herum gebaut wurde.

Das Erdgeschoss des Alten Rathauses wurde die Karta-Bar des Jahres. In einem Raum stand ein grosses topografisches Modell von Triesenberg, klein genug, dass Veranstaltungen gerade noch darum herum stattfinden konnten; der andere Raum bot Platz für grössere Runden, mit wechselnden Ausstellungen an den Wänden.

Geid nid gids nid! — Walserdeutsch für geht nicht, gibt's nicht — eröffnete das Jahr als offene Runde am Modell. Ideen für die nächsten fünfzig Jahre, ungefiltert eingebracht, bildeten die kuratorische Grundlage für alles, was folgte.

Tropical Malbun verlegte die Karta-Bar auf die Terrasse des Alpenhotels Vögeli. Der Titel war ein methodisches Werkzeug — eine geografische Entität, gepaart mit einem Adjektiv aus einer anderen Klimazone — um eine Frage denkbar zu machen, die manche lokale Akteure nicht aufgemacht sehen wollten (mildere Winter, die Zukunft des Skigebiets). Die Reaktionen im Vorfeld waren scharf; die Diskussion selbst, in der Sonne und mit einem Stück Schwarzwäldertorte, fand Kompromisse.

Berg-Tal-Bahn lotete aus, was eine Seil- oder Schienenverbindung zwischen Tal und Berg leisten könnte — was sie transportieren, was sie kosten, was sie ersetzen würde. Die Veranstaltung produzierte ein Urteil, das den Titel überraschte: Für Malbun würde ein Ausbau der Busverbindung mit Parkraumbewirtschaftung mehr bringen als eine neue Linie.

Bau...kultur? fragte, ob Liechtenstein eine Baukultur hat oder nur eine Kakophonie von Stilen. Die Veranstaltung kam zum Schluss: Ästhetische Vorschriften wirken nur in eng umrissenen Zonen, und die Frage ist am Ende eine politische — am ehesten über positive Anreize zu führen, wenn überhaupt.

Energieautarkes Liechtenstein verlegte die Karta-Bar in den Theodulsaal. Energieproduzent:innen aus Solar, Wind, Biomasse und Power-to-Gas füllten einen der bestbesuchten Abende des Jahres. Der Konsens: Ein substanzieller Schritt in Richtung Energieautarkie sei nur über ein sorgfältiges Zusammenspiel aller Formen zu erreichen.

Dorfzentren schloss das Jahr im selben Saal. Sechs Gemeindevorsteher und ein Tiefbauleiter zeigten, wo ihre Gemeinden heute zusammenkommen und wohin sich ihre Zentren entwickeln sollen. Die Runde machte deutlich, dass das ideale Zentrum stark mit der Gemeinde variiert — Planken braucht etwas anderes als Schaan oder Schellenberg.

Auch die Karta-Talks blieben in Bewegung. Vom Steinort über das Täscherloch hinauf zum höchstgelegenen ganzjährig bewohnten Gebäude des Landes in Malbun, und zurück ins Dorf, wo eine über neunzigjährige Erinnerung die Reihe abschloss. Als Sequenz zeichneten sie ein Triesenberg, in dem die alten Weiler und die Feriensiedlungen gewachsen waren, während die kleinen Subzentren, die ihnen einst eine Mitte gaben, leise verschwunden waren.

Am Ende des Jahres erreichte ELF seine Halbzeit — fünf von elf Gemeinden hinter uns, sechs voraus. Das Labor hatte fünfundvierzig Veranstaltungen in fünf Dörfern angesammelt; einige Formate begannen sich zu verfestigen. Wir nahmen das nächste Jahr als Halb ELF aus dem Rhythmus heraus, um aus ihm wieder hineinzufinden. Am Ende von Triesenberg war das Experiment alt genug geworden, sich selbst infrage stellen zu müssen.

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